Aktuelle Meldungen

Prof. Dr. med. Julian Bösel © Klinikum KasselProf. Dr. med. Julian Bösel, FNCS, FESO, wurde bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin e.V. (DGNI) im Januar 2021 zum Präsidenten der DGNI ernannt. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel wird die Fachgesellschaft in den nächsten zwei Jahren führen. Der ehemalige Präsident der DGNI, Prof. Dr. med. Oliver Sakowitz, Ärztlicher Direktor des Neurochirurgische Zentrums Ludwigsburg-Heilbronn an den akademischen Lehrkrankenhäusern Klinikum Ludwigsburg der RKH Kliniken sowie dem Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn der SLK-Kliniken, hat die Fachgesellschaft zwei Jahre lang vertreten. Satzungsgemäß wurde er der erste Vizepräsident der DGNI. Prof. Dr. med. Thomas Westermaier wurde zum zweiten Vizepräsidenten gewählt und ist damit zukünftiger Präsident der DGNI. Der Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am Helios Amper-Klinikum Dachau, Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München, wird satzungsgemäß im Januar 2023 die Führung der Fachgesellschaft vom jetzigen Präsidenten Prof. Bösel übernehmen.

Der COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca sorgt wegen möglicher Nebenwirkungen wie Hirnvenen- und Sinusvenenthrombosen für Verunsicherung. Auch wenn der kausale Zusammenhang nicht vollständig geklärt ist, verlaufen einige dieser Erkrankungen sehr schwerwiegend und können lebensbedrohlich sein. Die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) gibt Hinweise zum Umgang mit der Situation. Dazu die Stellungnahme des Präsidenten der DGNI, Prof. Dr. med. Julian Bösel, Kassel.

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Nach einer Pressemeldung der DGN leiden mit Abklingen der akuten Phase einer SARS-CoV-2-Infektion viele Patienten unter fortbestehenden neurologisch-kognitiven Defiziten. Eine Studie [1] konnte nun mit einer speziellen Bildgebungstechnik, der 18FDG-PET ([18F]Fluordesoxyglucose-Positronenemmissions-Tomografie), eine Verminderung des Glukosestoffwechsels im Gehirn nachweisen, die mit solchen neurokognitiven Defiziten assoziiert ist. Die Arbeitsgruppe publizierte auch Ergebnisse eines Follow-ups [2] von acht Patienten der Originalstudie. Hier zeigte sich im Verlauf eine signifikante Besserung der Kognition sowie eine weitgehende Normalisierung des Hirnstoffwechsels – wobei aber nach sechs Monaten noch kein Normalniveau erreicht war.

„Diese Befunde belegen, dass neurokognitive Probleme nach einer COVID-19-Erkrankung eine messbare Ursache haben“, betont Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN. Um das gesamte Ausmaß besser zu verstehen und den Post-COVID-Verlauf unter Therapie beurteilen zu können, sind nun prospektive Follow-up-Studien notwendig . Weitere Informationen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Literatur

[1] Hosp JA, Dressing A, Blazhenets G et al. Cognitive impairment and altered cerebral glucose metabolism in the subacute stage of COVID-19. Brain 2021; https://academic.oup.com/brain/advance-article/doi/10.1093/brain/awab009/6209743
[2] Blazhenets G, Schröter N, Bormann T et al. Slow but evident recovery from neocortical dysfunction and cognitive impairment in a series of chronic COVID-19 patients. Journal of Nuclear Medicine March 2021, jnu-med.121.262128; https://jnm.snmjournals.org/content/early/2021/03/31/jnumed.121.262128

Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte müssen sich dringend ändern. Ärzte und Pflegkräfte haben zahlreiche praxisnahe Forderungen und Vorschläge zusammengetragen, um die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege jetzt und sofort sowie nachhaltig zu verbessern. Um ein Zeichen zu setzen, wurde eine „Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) herausgegeben. Seit einem Jahr und immer noch im Dauereinsatz inmitten der jetzt dritten Welle der Pandemie spielen zahlreiche Pflegekräfte mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf aussteigen. „Wenn die Pflegekräfte gehen, entsteht ein existentielles Problem in der Intensivmedizin!", betont Professor Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. „Es gibt kein Intensivbett ohne Pflege! Wir Ärzte stehen nicht den ganzen Tag am Bett der Patienten – das sind die Pflegenden“, so das gemeinsame Plädoyer von DIVI-Präsident Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen und Professor Felix Walcher, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. DIVI und DGF fordern unter anderem: • ein verbindliches Personalbemessungsinstrument, • kreative und moderne Arbeitszeitmodelle, • Unterstützungsangebote für Mitarbeitende mit Familie oder pflegebedürftigen Angehörigen, • psychosoziale Unterstützungsangebote, • die Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit, • die Entlohnung entsprechend der Qualifikation, • die Erweiterung der Kompetenzen für Intensivpflegende und • patienten- und pflegeferne Tätigkeiten sowie Bürokratie drastisch zu reduzieren. Hier die komplette Stellungnahme der DIVI zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland: https://www.divi.de/joomlatools-files/docman-files/publikationen/intensiv-und-notfallpflege/210309-stellungnahme-zur-staerkung-und-zukunft-der-intensivpflege.pdf

Fatigue ist ein häufiges und belastendes Symptom, welches nach einem Schlaganfall auftreten kann. Fatigue reduziert sowohl die Aktivität als auch die Teilhabe in den meisten Lebensbereichen und kann auch Rehabilitationsmaßnahmen beeinträchtigen. Die Entstehung ist bis heute noch nicht genau geklärt. Neben dem Einfluss neurologisch bedingter Krankheitsfolgen scheinen auch psychische Belastungen einen Teil der Fatiguesymptomatik zu verursachen.

Dazu wird eine Umfrage als Teil eines groß angelegten Forschungsprojekts durchgeführt, um Fatigue als Symptom nach Schlaganfall genauer zu untersuchen. Im Fokus steht der Zusammenhang von Fatigue mit psychischen Stressbelastungen, individuellen Bewältigungsmechanismen und Umgang mit Belastungen. Bei einer ersten Studie mit Patienten mit Multipler Sklerose konnten bereits über 600 TeilnehmerInnen gewonnen werden. Aufbauend auf diesen Ergebnissen sollen wissenschaftlich gestützte Therapieansätze weiterentwickelt werden, um der Fatigue-Symptomatik auch im Zusammenhang mit Schlaganfall entgegenwirken zu können.

Bei der Umfrage handelt es sich um ein gemeinsames wissenschaftliches Forschungsvorhaben unter Leitung von Professor Dr. Roger Schmidt, von der Klinik für Psychosomatik und Konsiliarpsychiatrie, vom Kantonsspital St.Gallen, vom Lurija-Institut für Rehabilitationswissenschaften und Gesundheitsforschung, vom Fachbereich Psychologie der Universität Konstanz / Kliniken Schmieder sowie von Dr. Christian Dettmers, Ärztlicher Leiter mit Schwerpunkt MS, Kliniken Schmieder Konstanz, und von Prof. Dr. Roland Weierstall-Pust, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie; Medical School Hamburg. Für Rückfragen steht Frau Gesa Pust, M.Sc., zur Verfügung. Hier der Link zur Umfrage: https://cj2302.customervoice360.com/uc/Fatiguestudie_Schlaganfall/

Prof. Dr. med. Julian BöselDer COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca sorgt wegen möglicher Nebenwirkungen wie Hirnvenen- und Sinusvenenthrombosen für Verunsicherung. Auch wenn es bisher noch keine Klarheit über den kausalen Zusammenhang gibt, einige dieser Fälle jedoch sehr schwerwiegend verlaufen und lebensbedrohlich sein können, gibt die Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) Hinweise zum Umgang mit der Situation. Dazu die Stellungnahme des Präsidenten der DGNI, Prof. Dr. med. Julian Bösel, Kassel.

In den letzten Wochen häufen sich Berichte zu Hirnvenen- und Sinusthrombosen (CVST) im Zusammenhang mit der COVID-19 Schutzimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Auch wenn der kausale Zusammenhang noch unklar ist und ein Teil der Diagnosen der ansonsten wegen fluktuierender oder unspezifischer Symptomatik oft verzögert oder gar nicht erkannten Erkrankung der erhöhten Aufmerksamkeit geschuldet sein mag, sind uns einige Hinweise zum Umgang mit der Situation sehr wichtig. Zwar ist noch nicht gänzlich zu verstehen, warum eine Impfungs-assoziierte Thromboseneigung vor allem die Hirnvenen betreffen sollte oder warum deutliche regionale Unterschiede (z.B. kaum erhöhtes Auftreten in UK) zu bestehen scheinen, aber dies kann auch in Unterschieden im Bewusstsein, des Alters der geimpften Bevölkerung, der Symptomerkennung und der diagnostischen Aktivität begründet sein. Erste Erkenntnisse aus der Gerinnungsforschung legen als möglichen Pathomechanismus eine sogenannte Vakzine-induzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie (VIPIT) nahe, bei der durch die Impfung immunvermittelt Antikörper gegen Thrombozytenantigene gebildet werden. In Analogie zur Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT) kann es so Fc-Rezeptor-vermittelt zu einer Thrombozytenaktivierung und Thrombose kommen.

Hinsichtlich der Basis-Diagnostik und -Therapie sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Auftreten von Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Anfällen meist 5-14 Tage nach der Impfung
  • Betroffen sind vor allem Frauen <55 Jahren

Bei ausreichend eindeutigem klinischen Verdacht:

  • Diagnosesicherung möglichst mittels MRT und MR-Venografie
  • Labordiagnostik mit großem Blutbild inklusive Fragmentozyten; Gerinnung inklusive INR, aPTT, Fibrinogen, D-Dimere; klinische Chemie, LDH, Haptoglobin; HIT-Diagnostik*
  • Antikoagulation bei CVST-Nachweis und vor Ausschluss HIT nicht durch Heparin, sondern durch Argatroban, Danaparoid oder NOAK*
  • Bei positiver HIT-Diagnostik Applikation von intravenösen Immunglobulinen (IVIG) erwägen*
  • Die CVST ist ein Schlaganfall, daher mindestens Behandlung auf Stroke Unit

Die DGN wird ihrerseits Empfehlungen zu diesem Thema herausgeben und auch eine zeitnahe Registerstudie zur Erlangung weiterer Erkenntnisse auf den Weg bringen. Hier sind die Empfehlungen der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung. Diese Situation einer immer noch sehr seltenen Nebenwirkung sollte keinesfalls zu einer generellen Angst vor COVID-19 Schutzimpfungen führen, hier ist den differenzierten Empfehlungen von PEI , STIKO, EMA und den Gesundheitsbehörden zu folgen.

Besonders ist es uns als DGNI wichtig, zu betonen, dass einige dieser Fälle von CVST sehr schwerwiegend verlaufen und durch Komplikationen wie raumfordernde Stauungsinfarkte oder - blutungen, Hirnödem, epileptische Anfallsserien oder Status epilepticus lebensbedrohlich werden können. Während alle Patienten mit CVST auf einer Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit) nach oben genannter Basistherapie zu behandeln sind, gilt für Patienten mit schwerem Verlauf zusätzlich:

  • Rechtzeitige Verlegung bzw. Aufnahme auf eine NeuroIntensivstation
  • Ggf. rechtzeitige Intubation und Beatmung
  • Ggf. Installation eines Neuromonitorings
  • Konsequente Behandlung epileptischer Anfälle
  • Serielle zerebrale Bildgebung
  • Bei raumforderndem Prozess rechtzeitig chirurgische Dekompression erwägen

*Zu Details sei auf unten genannte Empfehlungen verwiesen. Die Situation ist im Fluss, weitere neue Erkenntnisse und Änderungen von Handlungsempfehlungen sind zu erwarten.

Literatur

1. GTH-Stellungnahme, Aktualisierte Stellungnahme der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. zur Impfung mit dem AstreZeneca COVID-19 Vakzin, Stand 1. April 2021

2. Stellungnahme DGHO, AGHO, DGI, DGP zu AstraZeneca COVID-19-Vakzine Umgang mit dem Risiko von Gerinnungskomplikationen. Stand 30. März 2021

3. Kowoll C et al., Severe cerebral venous and sinus thrombosis: clinical course, imaging correlates, and prognosis, Neurocrit Care (2016) Dec. 25, 392-399

Kontakt:
Prof. Dr. med. Julian Bösel, FNCS Klinikum Kassel GmbH
Klinik für Neurologie Mönchebergstr. 41-43
34125 Kassel
phone: +49 (0)561 980 / 40 51 fax: +49 (0)561 980 / 69 79
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Weitere Informationen:

http://www.dgni.de


Merkmale dieser Pressemitteilung:

Journalisten, Wissenschaftler
Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin überregional
Wissenschaftliche Publikationen
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