© stock.adobe.com / Sergey IlinDie steigende Anzahl an Herz-Kreislauferkrankungen sowie zunehmend älter werdende Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen führen zu einer steigenden Anzahl von Patienten, die orale Antikoagulantien einnehmen. Damit steigt auch die Anzahl intrazerebraler Blutungen (ICB) oder Schädel-Hirn-Traumata (SHT) unter oralen Antikoagulantien. Initial kam dafür nur der Vitamin-K Antagonist Phenprocoumon in Frage, in den letzten Jahren kamen jedoch neue direkte orale Antikoagulantien (DOAKs) auf den Markt und entsprechend auch in die Anwendung am Patienten. Diese teilen sich in F-IIa und F-Xa Inhibitoren auf. Diese Medikamente stellen die Neurointensivmedizin, insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma (SHT), intrazerebralen Blutungen (ICB) oder Subarachnoidalblutung (SAB) vor neue Herausforderungen.

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Stellungnahme Hirntod24.02.2015 – DGN, DGNI und DGNC sehen sich in ihrer Forderung bestätigt, dass bei der Feststellung des Hirntods ein Neuromediziner beteiligt sein sollte – aktuelle Studie unterstreicht die Vorteile.

Bevor Organe für eine Transplantation entnommen werden dürfen, muss der Tod des Patienten festgestellt werden. Dies geschieht seit rund 40 Jahren nach dem Konzept des Hirntods und seiner Diagnose. Der Deutsche Ethikrat hat sich heute in einer ausführlichen Stellungnahme „Hirntod und Entscheidung zur Organspende“ erneut für die Feststellung des Hirntods als Kriterium ausgesprochen, fordert aber gleichzeitig mehr Aufklärung und gesellschaftliche Diskussion sowie intensivere wissenschaftliche Beschäftigung mit der Feststellung des Todeszeitpunktes.

klaus kunzeAm 2.1.2019 verstarb Prof. Dr. med. Klaus Kunze in Hamburg. Geboren 1933 in Bremen und aufgewachsen in Berlin und Hamburg war er zuletzt Ordinarius der Neurologischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Auch darüber hinaus blieb er für die Neurologie weiter engagiert, u. a. in der von ihm mit Dr. Leffmann begründeten externen Qualitäts­sicherung EQS, aus der das fort­bestehende nationale Schlaganfallregister ADSR hervorging.

Als Direktor der UKE-Neurologie 1981 bis 1999 förderte und gestaltete er den Wandel der Neurologie zum immer aktiver werdenden therapeutischen Fach in wichtigen großen Bereichen (Slogan: "Time is brain"). Zum einen wurde unter seiner Leitung die neurologische Intensivstation in Eppendorf ausgebaut, die über viele Jahre die einzige ihrer Art in Norddeutschland war und überregional als Ansprechpartner für die komplexeren Fälle galt. Neue Verfahren wie der therapeutische Plasma­austausch, das SEP- und EEG-Monitoring und die diagnostische Hirndruckmessung wurden eingeführt bzw. weiterentwickelt. Zum anderen erkannte Klaus Kunze früh die Bedeutung einer aktiven neurologi­schen Schlaganfall­versorgung und gründete 1997 die erste Stroke Unit Hamburgs. Schon früh ließ er Abläufe extern validieren und zertifizieren, betrieb Qualitätssicherung und warb für den Unterschied, den eine aktive Neuromedizin bei diesen Erkrankungen bis zum heutigen Tag durch bessere klinische Ergebnisse machen kann. Überregional führend wurden Seit an Seit mit der Neuro­radiologie unter Prof. Zeumer interventionelle Verfahren zur Wiederherstellung der Hirnzirkulation als Standardverfahren (intravenöse Lyse, intra-arterielle Katheter, Coiling) und deren Monitoring in die Routine etabliert. Seinem breiten Interesse, seiner Vielseitigkeit und der Fähigkeit, andere zu begeistern ist zu verdanken, dass er in Eppendorf das Labor für Muskelhistologie gründete, Sprechstunden für Nerven- und Muskelkrankheiten ausbaute, das eigene Liquorlabor und den Schwerpunkt Multiple Sklerose förderte. Neurologie, so Klaus Kunze, "ist nur von Neurologen zu betreiben". Viele Ärzte wurden so in der ganzen Breite des Faches ausgebildet.

Unter Kunzes Leitung wurden in Hamburg mehrere internationale Symposien und zwei  große deutsch­sprachige intensivmedizinische Tagungen 1986 und 1998 ausgerichtet (ANIM, heute DGNI).
Im Auftreten niemals großspurig, sondern bescheiden, empfahl uns Klaus Kunze, bei abweichenden Auffassungen zunächst mal davon auszugehen, dass der Andere mindestens so klug ist wie man selbst und auch Recht haben könnte - zumindest solange bis man alle Informationen kennt und die Sachlage in Ruhe zu beurteilen wusste. Große Freude bereiteten ihm Urlaubsreisen nach Italien - speziell die Atmosphäre von Venedig zog ihn an- und er las viel als ehemaliger Student von Literatur und Medizin. Klaus Kunze hinterlässt zwei Töchter,  Alexandra (Leitende Oberärztin in einer Hamburger Klinik für Neurologie) und Kerstin (Professorin für Theoretische Physik).

Prof. Dr. med. Hans-Christian Hansen
Chefarzt der Klinik für Neurologie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, Vorsitzender DGNB

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kopf05. März 2014 (ergänzt am 21. März 2014) – Aktuell wird in der Öffentlichkeit die Qualität der Hirntoddiagnostik angezweifelt. Anlass ist eine Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), nach der innerhalb von drei Jahren bei acht Organspendern der Hirntod formal nicht richtig diagnostiziert worden sei. In allen Fällen fiel der Fehler auf, bevor es zur Organentnahme kam. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) und die Deutsche Gesellschaft für Neurolntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) nehmen diese Berichterstattung zum Anlass für eine Stellungnahme.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde der NeuroIntensivmedizin,

zeitig nach der Mitgliederversammlung der DGNI anlässlich der letzten Arbeitstagung NeuroIntensivmedizin (ANIM) vom 17. bis 19. Januar 2019 in Berlin, möchte ich mich, auch stellvertretend für das wieder- und neugewählte Präsidium, zunächst bei allen dort Anwesenden für die Wahl und das entgegengebrachte Vertrauen bedanken.

In seinem Tagungsbericht zur ANIM 2019 resümiert Kongresspräsident Prof. Helmuth Steinmetz (Frankfurt am Main) wie sich die ANIM durch die Möglichkeit des interdisziplinären wissenschaftlichen und auch sozialen Austausches zwischen Neurologen und Neurochirurgen mittlerweile aus der Kongresslandschaft hervorhebt. Den Grund dafür sieht er vor allem darin, dass man im historischen Kern der Veranstaltung, der NeuroIntensivmedizin, mittlerweile eine „Schicksalsgemeinschaft“ bilde.

Dr Oliver Sakowitz

Es drohe NeuroIntensivmedizinern vielerorts bereits jetzt, zur „bedrohten Spezies“ zu werden. In der Tat: Unter den ca. 2,1 Millionen Behandlungsfällen in Krankenhäusern mit intensivmedizinischer Versorgung machen NeuroIntensivpatienten etwa 10-15% aus. Weiter liegt es auf der Hand, dass die spezielle Intensivmedizin für diese ausgewählte Patientengruppe nur dort gelehrt und gelernt werden kann, wo eine relevante Fallzahl behandelt wird. Wie Untersuchungen von Busse et al. (Nervenarzt 2018, 89) belegen, werden diese Patienten mehrheitlich (ca. 80%) auf interdisziplinären Intensivstationen versorgt. Auf diesen ist ein Präsenzdienst eines NeuroIntensivmediziners allerdings nur in einem Drittel der Fälle gewährleistet. Die wirklich „eigenständigen“ NeuroIntensivstationen sind mit ca. 70 in der Minderheit und beschränken sich auf Universitätsklinika und andere Maximalversorger.

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Fotos: Conventus / Helge Schubert