Aktuelle Meldungen

Von Prof. Dr. med. Oliver W. Sakowitz

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde der NeuroIntensivmedizin,

auch wenn EU-weit jährlich etwa 1,5 Millionen Patienten aufgrund einer Kopfverletzung in einer Klinik aufgenommen werden und hiervon etwa 57000 versterben, ist das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) weiterhin nur schlecht charakterisiert. Auf der NeuroIntensivstation stellt das SHT eines der häufigsten Krankheitsbilder dar und beteiligte Behandler müssen hier immer wieder Therapieentscheidungen individuell abwägen. Die traditionelle Einteilung in leichtes, moderates und schweres SHT anhand der Glasgow Coma Scale kann in Zeiten der Präzisionsmedizin, wie sie sich gegenwärtig z.B. in der Onkologie entwickelt, nicht mehr überzeugen. neuroIntensivmedizin brain

Weitere (historische) Klassifikationen allerdings noch weniger. Die Behandlungspfade, gleich ob operativ, konservativ oder sekundär-operativ, sind facettenreich und größtenteils nur mit niedrigem klinischem Evidenzniveau belegt. Auch wenn ein SHT heutzutage eher überlebt wird als noch vor 50 Jahren, sind die klinischen Endergebnisse dennoch nicht signifikant besser.

Die Intensivmedizin in Deutschland ist,  wie auch andere Teile der Medizin, einem zunehmenden ökonomischen Druck ausgesetzt. Dadurch droht insbesondere die hochspezialisierte Neuro-Intensivmedizin, die sich in einer  Nische befindet, ganz zu verschwinden. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat den Ernst der Lage erkannt und am dgni juli meldungen01.11.2018 unter Leitung des ehemaligen DGNI-Präsidenten Prof. Georg Gahn eine DGN-Kommission „Neurologische Intensivmedizin“ gegründet. Die Initiative hierfür ging von der DGNI aus.   

Die Sorge um das Fortbestehen der Neuro-Intensivmedizin ist nicht neu, sondern dieses Phänomen zieht sich wie ein roter Faden von den Anfängen der „Arbeitsgemeinschaft Neurologische Intensivmedizin“ (ANIM) bis heute. Die drohende Übernahme der neurologischen und neurochirurgischen intensivmedizinischen Expertise in erster Linie durch die Anästhesie würde die Reduktion der Neurofächer auf konsiliarische Tätigkeiten zur Folge haben.

Eine vollständige Heilung ist bei den in unserem Fachgebiet auftretenden Krankheitsbildern oft nicht möglich. Patienten überleben die Akutphase, aber man weiß nicht, ob sie später mit einer zurückbleibenden Behinderung zufrieden zurechtkommen – wir verlieren ihre Weiterbehandlung aus den Augen. Wir Intensivmediziner dgni juni aktuellemeldungsollten uns auch mit der längerfristigen Prognose und ethischen Grenzentscheidungen auseinandersetzen. „Nur wenn wir in der Akutsituation bereits eine tragfähige Auskunft über die Zukunft geben können, werden wir Behandlungsoptionen sinnvoll vermitteln und klug einsetzen können“, sagt DGNI-Präsidiumsmitglied Prof. Wolfgang Müllges. Und weiter: „Es ist längst überfällig, dass Akutmediziner und Rehabilitationsmediziner näher zusammenrücken.“ Lesen Sie ein Statement von Prof. Müllges zur Wichtigkeit von Frühprognostik und Frührehabilitation.  

Warum sollten sich junge Neurologen und Neurochirurgen für NeuroIntensivmedizin interessieren? Unter anderem weil man als Neurologe und Neurochirurg auf der Intensivstation Effekte seines Handelns in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit erlebt, die man sonst mitunter in den Fächern eher vermisst, sagt Prof. Dr. med. Julian Bösel, Präsident-elect der DGNI. „Die Neurointensivmedizin führt junge MedizinerInnen schnell an wichtige grundlegende Elemente des Arztseins heran, wie Prognose bei Schwersterkrankung, Therapiezieländerung, Entscheidung gemäß mutmaßlichem Patientenwillen etc., mit denen man sonst seltener, später, vielleicht auch so gut wie gar nicht, konfrontiert würde.“ Lesen Sie hier sein Plädoyer, warum sich NeuroIntensivmedizin in jedem Falle lohnt und folgen Sie den Argumenten, warum das Fach dringend motivierte junge Neurologen und Neurochirurgen braucht!

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© stock.adobe.com / Sergey IlinDie steigende Anzahl an Herz-Kreislauferkrankungen sowie zunehmend älter werdende Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen führen zu einer steigenden Anzahl von Patienten, die orale Antikoagulantien einnehmen. Damit steigt auch die Anzahl intrazerebraler Blutungen (ICB) oder Schädel-Hirn-Traumata (SHT) unter oralen Antikoagulantien. Initial kam dafür nur der Vitamin-K Antagonist Phenprocoumon in Frage, in den letzten Jahren kamen jedoch neue direkte orale Antikoagulantien (DOAKs) auf den Markt und entsprechend auch in die Anwendung am Patienten. Diese teilen sich in F-IIa und F-Xa Inhibitoren auf. Diese Medikamente stellen die Neurointensivmedizin, insbesondere bei der Behandlung von Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma (SHT), intrazerebralen Blutungen (ICB) oder Subarachnoidalblutung (SAB) vor neue Herausforderungen.

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Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde der NeuroIntensivmedizin,

zeitig nach der Mitgliederversammlung der DGNI anlässlich der letzten Arbeitstagung NeuroIntensivmedizin (ANIM) vom 17. bis 19. Januar 2019 in Berlin, möchte ich mich, auch stellvertretend für das wieder- und neugewählte Präsidium, zunächst bei allen dort Anwesenden für die Wahl und das entgegengebrachte Vertrauen bedanken.

In seinem Tagungsbericht zur ANIM 2019 resümiert Kongresspräsident Prof. Helmuth Steinmetz (Frankfurt am Main) wie sich die ANIM durch die Möglichkeit des interdisziplinären wissenschaftlichen und auch sozialen Austausches zwischen Neurologen und Neurochirurgen mittlerweile aus der Kongresslandschaft hervorhebt. Den Grund dafür sieht er vor allem darin, dass man im historischen Kern der Veranstaltung, der NeuroIntensivmedizin, mittlerweile eine „Schicksalsgemeinschaft“ bilde.

Dr Oliver Sakowitz

Es drohe NeuroIntensivmedizinern vielerorts bereits jetzt, zur „bedrohten Spezies“ zu werden. In der Tat: Unter den ca. 2,1 Millionen Behandlungsfällen in Krankenhäusern mit intensivmedizinischer Versorgung machen NeuroIntensivpatienten etwa 10-15% aus. Weiter liegt es auf der Hand, dass die spezielle Intensivmedizin für diese ausgewählte Patientengruppe nur dort gelehrt und gelernt werden kann, wo eine relevante Fallzahl behandelt wird. Wie Untersuchungen von Busse et al. (Nervenarzt 2018, 89) belegen, werden diese Patienten mehrheitlich (ca. 80%) auf interdisziplinären Intensivstationen versorgt. Auf diesen ist ein Präsenzdienst eines NeuroIntensivmediziners allerdings nur in einem Drittel der Fälle gewährleistet. Die wirklich „eigenständigen“ NeuroIntensivstationen sind mit ca. 70 in der Minderheit und beschränken sich auf Universitätsklinika und andere Maximalversorger.

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