klaus kunzeAm 2.1.2019 verstarb Prof. Dr. med. Klaus Kunze in Hamburg. Geboren 1933 in Bremen und aufgewachsen in Berlin und Hamburg war er zuletzt Ordinarius der Neurologischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Auch darüber hinaus blieb er für die Neurologie weiter engagiert, u. a. in der von ihm mit Dr. Leffmann begründeten externen Qualitäts­sicherung EQS, aus der das fort­bestehende nationale Schlaganfallregister ADSR hervorging.

Als Direktor der UKE-Neurologie 1981 bis 1999 förderte und gestaltete er den Wandel der Neurologie zum immer aktiver werdenden therapeutischen Fach in wichtigen großen Bereichen (Slogan: "Time is brain"). Zum einen wurde unter seiner Leitung die neurologische Intensivstation in Eppendorf ausgebaut, die über viele Jahre die einzige ihrer Art in Norddeutschland war und überregional als Ansprechpartner für die komplexeren Fälle galt. Neue Verfahren wie der therapeutische Plasma­austausch, das SEP- und EEG-Monitoring und die diagnostische Hirndruckmessung wurden eingeführt bzw. weiterentwickelt. Zum anderen erkannte Klaus Kunze früh die Bedeutung einer aktiven neurologi­schen Schlaganfall­versorgung und gründete 1997 die erste Stroke Unit Hamburgs. Schon früh ließ er Abläufe extern validieren und zertifizieren, betrieb Qualitätssicherung und warb für den Unterschied, den eine aktive Neuromedizin bei diesen Erkrankungen bis zum heutigen Tag durch bessere klinische Ergebnisse machen kann. Überregional führend wurden Seit an Seit mit der Neuro­radiologie unter Prof. Zeumer interventionelle Verfahren zur Wiederherstellung der Hirnzirkulation als Standardverfahren (intravenöse Lyse, intra-arterielle Katheter, Coiling) und deren Monitoring in die Routine etabliert. Seinem breiten Interesse, seiner Vielseitigkeit und der Fähigkeit, andere zu begeistern ist zu verdanken, dass er in Eppendorf das Labor für Muskelhistologie gründete, Sprechstunden für Nerven- und Muskelkrankheiten ausbaute, das eigene Liquorlabor und den Schwerpunkt Multiple Sklerose förderte. Neurologie, so Klaus Kunze, "ist nur von Neurologen zu betreiben". Viele Ärzte wurden so in der ganzen Breite des Faches ausgebildet.

Unter Kunzes Leitung wurden in Hamburg mehrere internationale Symposien und zwei  große deutsch­sprachige intensivmedizinische Tagungen 1986 und 1998 ausgerichtet (ANIM, heute DGNI).
Im Auftreten niemals großspurig, sondern bescheiden, empfahl uns Klaus Kunze, bei abweichenden Auffassungen zunächst mal davon auszugehen, dass der Andere mindestens so klug ist wie man selbst und auch Recht haben könnte - zumindest solange bis man alle Informationen kennt und die Sachlage in Ruhe zu beurteilen wusste. Große Freude bereiteten ihm Urlaubsreisen nach Italien - speziell die Atmosphäre von Venedig zog ihn an- und er las viel als ehemaliger Student von Literatur und Medizin. Klaus Kunze hinterlässt zwei Töchter,  Alexandra (Leitende Oberärztin in einer Hamburger Klinik für Neurologie) und Kerstin (Professorin für Theoretische Physik).

Prof. Dr. med. Hans-Christian Hansen
Chefarzt der Klinik für Neurologie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, Vorsitzender DGNB

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