Retrospektive multizentrische Studie zur Behandlung und Outcome bei schwer verlaufender zerebraler Sinus-/Hirnvenenthrombose (CSVT)

Dr. Christina Kowoll

PD Dr. Christian Dohmen

Koordinatorin: Dr. Christina Kowoll (Uniklinik Köln)
Stellv. Koordinator:
Prof. Dr. Christian Dohmen (Uniklinik Köln)

Stand der Studie: Projekt abgeschlossen, Publikation: Neurocritical Care, 2016.

 

 

 


Hintergrund

In der “International study on cerebral vein and dural sinus thrombosis” (ISCVT), der bisher größten prospektiven Kohortenstudie mit 624 Patienten, hatten 13% der Patienten ein schlechtes Outcome (Tod 8%, mRS 3 oder höher: 5%) nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 16 Monaten. Insgesamt waren 31 (5%) der 624 Patienten bei Aufnahme komatös (GCS<9). Folgende Faktoren wurden mit einem schlechten Outcome assoziiert: Alter, männliches Geschlecht, mental status disorder, Koma, Thrombose der tiefen Hirnvenen, intrazerebrale Blutung, Infektion des ZNS und Malignität.

Zielsetzung dieser Studie ist es, diese Patientengruppe in einem größeren Kollektiv von mindestens 100 Patienten zu beleuchten. Für Patienten mit schwerem Verlauf wurde in präliminären Fallserien ein Benefit für invasive Therapieverfahren wie lokale Lyse und/oder Thrombektomie nahegelegt. Obwohl diese Therapie-Eskalationen in den Leitlinien aufgeführt werden, gibt es hierzu jedoch aufgrund mangelnder Daten keine klare Empfehlung. In besonders schweren Fällen mit massiven parenchymatösen Läsionen wie Stauungsblutungen oder Ödembildung mit entsprechender lebensgefährlicher Raumforderung besteht als Therapieoption die dekompressive Hemikraniektomie. Diese Verlaufsformen sind jedoch vergleichsweise selten und es fehlt aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen ein eindeutiger Erfolgsnachweis dieser Therapie. Ebenso wurde das Langzeitergebnis von Patienten mit schwerer CVST bisher nicht in einem größeren Kollektiv beschrieben. Komplikationen wie Ödeme, Infarkte und Blutungen wurden bildmorphologisch bisher nicht systematisch analysiert. Da es sich bei der schweren CVST um ein seltenes Krankheitsbild handelt, ist eine Beantwortung dieser Fragen nur in einem multizentrischen Ansatz möglich.

Fragestellung

Ziel dieser retrospektiven multizentrischen Studie war die Analyse von Krankheitsverlauf, diagnostischem und therapeutischem Management sowie Outcome bei schwer verlaufenden zerebralen Sinus-/Hirnvenenthrombosen (CSVT), d.h. CSVT, die zu Sopor/Koma und intensivmedizinischer Behandlung geführt haben. Da die bildmorphologischen Befunde der schweren CSVT und ihre Konsequenz für die jeweilige Therapie bisher nicht systematisch und detailliert erfasst wurden, wurde die Bildgebung der Patienten in die Auswertung einbezogen.

Methode

Die teilnehmenden Zentren identifizierten alle Patienten mit schwerer CSVT, die in den letzten 10-15 Jahren auf ihrer Intensivstation behandelt wurden, und füllten für jeden einzelnen Fall eine Case report form in anonymisierter Form aus. Der Outcomeparameter modified Rankin Score (mRS) nach 3-6 Monaten wurde retrospektiv erhoben. Der EQ-5D Health Questionnaire wurde persönlich erhoben. Die bildmorphologischen Daten wurden durch einen für die klinischen Daten verblindeten Neuroradiologen erhoben.

Publikation

Teilnehmende Zentren

  1. Uniklinik Köln
  2. Universitätsklinikum Dresden
  3. Universitätsklinikum Freiburg
  4. Universitätsklinikum Heidelberg
  5. Universitätsklinikum München
  6. Charité Berlin
  7. Universitätsklinikum Jena
  8. Universitätsklinikum Halle
  9. Universitätsklinikum Erlangen
  10. Universitätsklinikum Gießen

Finanzierung

Keine

Kontakt

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Literatur

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