Mediziner betrachtet EEG-Ergebnisse

Spezifisch auf den neurokritisch Kranken ausgerichtete Diagnostik- und Therapiemaßnahmen zielen darauf ab, bei akuten Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Schädelhirntrauma, ischämischer Schlaganfall, intrazerebrale Blutung etc.) die bestmögliche neurologische Erholung und eine Rückkehr in den Alltag mit möglichst geringem Handicap der NeuroIntensivpatienten zu erzielen.

Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der kontinuierlichen Weiterentwicklung der spezialisierten NeuroIntensivmedizin. Unterschiedliche Analysen der strukturellen und personellen Grundbedingungen im Rahmen der Behandlung kritisch kranker NeuroIntensivpatienten konnten hierbei in den letzten Dekaden verdeutlichen, dass spezielle strukturelle Voraussetzungen mit ausgebildeten Ärzte- und Pflegeteams rund um die Uhr sowie die Implementierung neurospezifischer Diagnostik- und Therapiealgorithmen zu einer Verbesserung der Behandlungsergebnisse führen (1-8). Wichtige weitere Aspekte sind hierbei die Qualität der Detailbeobachtung im individuellen Krankheitsverlauf und ein engmaschiges klinisches und technisch unterstütztes Neuromonitoring.

Implementierung interprofessioneller Neuro-Teams erforderlich

Die strukturellen Gegebenheiten im Bereich der neurointensivmedizinischen Versorgung in Deutschland mit unterschiedlichen Organisationsformen (eigenständig neurologisch, eigenständig neurochirurgisch, interdisziplinär neurologisch-neurochirurgisch, interdisziplinär operativ, interdisziplinär internistisch etc.) erfordern deshalb differenzierte nationale bzw. internationale Programme zur Weiterbildung interprofessioneller Neuro-Teams, die spezifische krankheitsbezogene Diagnostik und Therapiestandards für die jeweiligen Krankheitsbilder auf der Intensivstation implementieren und gewährleisten.

Weiterbildungsangebote bereits auf dem richtigen Weg

Aufgabe der DGNI und ihrer Mitglieder, zusammen mit den Mutterfachgesellschaften DGNC und DGN, wird es hierbei sein, strukturierte Programme zur ärztlichen und pflegerischen Weiterbildung entsprechend der aktuellen Diagnostik- und Behandlungsstandards anzubieten und durchzuführen. Als Beispiel seien hier die erfolgreich und sehr gut angenommene DGNI-Summer School und das Intensivcurriculum bei der ANIM genannt. Dadurch kann die qualitative Weiterbildung aller an der Behandlung Beteiligten auf einem hohen Wissens- und Kompetenzniveau erhalten und weiter qualifiziert werden. Letztendlich wird hierdurch im Intensivalltag die bestmögliche Behandlung ermöglicht und gewährleistet.

International stärkere Vernetzung der NeuroIntensivmedizin gefordert

Um die wissensbasierte Diagnostik und Intensivtherapie akuter Erkrankungen des Nervensystems weiter zu entwickeln, sind ebenso wissenschaftlich-experimentell und translational ausgerichtete Forschungsansätze zu verfolgen, um Qualität und Evidenz der Therapie weiter zu verbessern. Hier gilt es, finanzielle Rahmenbedingungen durch gezielte, wenngleich kompetitive Projektförderung zu ermöglichen, und Anreize durch Forschungspreise weiter zu fördern. In diesem Sinne sollte die NeuroIntensivmedizin in Deutschland international stärker vernetzt werden, z.B. durch Zusammenarbeit mit internationalen neurointensivmedizinisch ausgerichteten Fachgesellschaften und wissenschaftlichen Zentren.

Dadurch besteht insgesamt die Chance, die spezielle NeuroIntensivbehandlung nachhaltig, im Sinne der optimalen Behandlungsqualität von NeuroIntensivpatienten, zu stärken und als eine wichtige Säule im Rahmen der Intensivmedizin weiter zu entwickeln.

 

1 Diringer MN, Edwards DF: Admission to a neurologic/neurosurgical intensive care unit is associated with reduced mortality rate after intracerebral hemorrhage. Crit Care Med 29:635-640, 2001
2 Elf K, Nilsson P, Enblad P: Outcome after traumatic brain injury improved by an organized secondary insult program and standardized neurointensive care. Crit Care Med 30:2129-2134, 2002
3 Varelas PN, Conti MM, Spanaki MV, et al: The impact of a neurointensivist-led team on a semiclosed neurosciences intensive care unit. Crit Care Med 32:2191-2198, 2004
4 Suarez JI, Zaidat OO, Suri MF, et al: Length of stay and mortality in neurocritically ill patients: impact of specialized neurocritical care team. Crit Care Med 32:2311-2317, 2005
5 Bershad EM, Feen ES, Hernandez OH, et al: Impact of a specialized neurointensive care team on outcomes of critcally ill acute ischemic stroke patients. Neurocrit Care 9:287-292, 2008
6 Josephson SA, Douglas VC, Lawton MT, et al: Improvement in intensive care unit outcomes in patients with subarachnoid hemorrhage after initiation of neurointensivist co-management. J Neurosurg: 112(3):626-630, 2010
7 Chang TR, Kowalski RG, Carhuapoma JR, et al: Impact of case volume on aneurysmal subarachnoid hemorrhage outcomes. J Crit Care 30:469-472, 2015
8 Egawas S, Hifumi T, Kawakita K, et al: Impact of neurointensivist-managed intensive care unit implementation on patients outcomes after aneurysmal subarachnoid hemorrhage. J Crit Care 32:52-55, 2016